Johannes Chrysostomos
Johannes der Goldmund · Joannes Chrysostomus · Ioannes Chrysostomos
Presbyter in Antiochien · Patriarch von Konstantinopel · Kirchenlehrer
- Beiname „Chrysostomos" = „Goldmund" wegen seiner Predigten
- Antiochenische Schule der wörtlich-historischen Schriftauslegung
- Statuen-Reden (387): seelsorgliche Predigten in der Krise Antiochiens
- Chrysostomos-Liturgie: häufigste Liturgie des byzantinischen Ritus
- Zweimal verbannt wegen Konflikten mit Kaiserin Eudoxia
Johannes wurde um 349 in Antiochia geboren, dort getauft, dort theologisch geprägt — bei Diodor von Tarsus, dem Lehrer der antiochenischen Schule, die das Wort der Schrift nicht allegorisch zerredete, sondern historisch und wörtlich auslegte. Diese Schule unterscheidet ihn vom alexandrinischen Origenes-Erbe: weniger spekulativ, näher am Text, näher am Menschen.
387 war ein dramatisches Jahr für Antiochia. Wütende Bürger hatten in einem Steuer-Aufstand die Statuen des Kaisers Theodosius vom Sockel gerissen — ein Kapitalverbrechen. Während wochenlang die Stadt zitterte, ob Theodosius einmarschieren würde, predigte der junge Presbyter Johannes Tag für Tag. Diese Statuen-Reden sind ein Meisterwerk seelsorglicher Rhetorik und gehören zum schönsten, was die Patristik hinterlassen hat.
397 holte ihn der Kaiserhof gegen seinen Willen aus Antiochia als Patriarch nach Konstantinopel. Dort kam er rasch in Konflikt mit Kaiserin Eudoxia, weil er ihre Hofsucht öffentlich anprangerte. Zweimal wurde er verbannt. Auf dem Weg in die zweite Verbannung — zu Fuß durch Kleinasien — starb er in Komana am Schwarzen Meer. Seine letzten Worte sollen gewesen sein: Doxa to Theo panton heneken — „Ehre sei Gott für alles.”
Sein Beiname Chrysostomos (griech. chrysós + stóma = „Gold + Mund”) kommt aus dem 6. Jahrhundert, ist also nachträglich. Aber er trifft den Kern: Niemand im griechischen Christentum hat so gepredigt wie er. Seine Homilien zum Johannesevangelium, zum Matthäusevangelium und zu den Paulusbriefen sind bis heute Grundlage jeder ostkirchlichen Bibelarbeit.
Die nach ihm benannte Göttliche Liturgie des heiligen Johannes Chrysostomos ist bis heute die gewöhnliche eucharistische Feier fast aller byzantinisch-orthodoxen und mit Rom unierten Kirchen — also auch in den antiochenisch-orthodoxen Gemeinden, die Du im Verzeichnis findest.
Johannes ist Kirchenlehrer in allen apostolischen Kirchen. Sein Todestag — der 14. September — fällt mit dem Fest der Kreuzerhöhung zusammen; sein eigentliches Gedenken wurde deshalb auf den 13. November verlegt. Im Westen wird er am 27. Januar gefeiert.
- ◆ Über das Priestertum (~390)
- ◆ Statuen-Homilien (~387)
- ◆ Predigten zum Johannesevangelium
- ◆ Predigten zum Matthäusevangelium
- ◆ Predigten zu den Paulusbriefen
- Wikipedia: Johannes Chrysostomos · abgerufen 2026-05-20
- Catholic Encyclopedia: St. John Chrysostom · abgerufen 2026-05-20
- Wikidata · Q43067